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Weiße Bauernhäuser, Steinmauern und eine Kiefer im Dorf Lõunaküla auf Naissaar

Lõunaküla (Storbyn)

Das alte schwedische Fischerdorf und seine Holzkirche

Lõunaküla — „Süddorf“, für die schwedischsprachigen Gründer Storbyn, das „große Dorf“ — war jahrhundertelang die Hauptsiedlung von Naissaar. Küstenschweden fischten von hier aus, jagten Robben und lotsten Schiffe; Aufzeichnungen über die Inselbewohner reichen bis 1469 zurück. Ihre Insel nannten sie Nargö, die Deutschen kannten sie als Nargen.

Das 20. Jahrhundert leerte das Dorf zweimal. 1913–1914 mussten die Menschen der Seefestung weichen; nach Estlands Unabhängigkeit kehrten sie zurück, und 1934 hatte die Insel 449 Einwohner, 158 von ihnen Schweden. Dann kamen 1940, der Krieg, und 1943–1944 gingen fast alle vor der zurückkehrenden sowjetischen Armee nach Schweden. Heute lebt eine Handvoll Menschen das ganze Jahr auf der Insel, im Sommer kommen die Besitzer der restaurierten Häuschen dazu.

Top-Erlebnisse: Lõunaküla (Storbyn)

Die Marienkirche

Die alte Inselkirche wurde im Februar 1918 niedergebrannt. Mit dem Bau einer neuen hölzernen Marienkirche nach Entwurf von Karl Treumann wurde 1934 begonnen; geweiht wurde sie am 11. September 1938 — und wenige Jahre später war ihre Gemeinde fort. Die sowjetische Garnison nutzte sie als Heuscheune. Nach langer Restaurierung wurde sie am 19. August 2018 in Anwesenheit der schwedischen Kronprinzessin Victoria und der Präsidentin Estlands neu geweiht.

Der Dorffriedhof

Ein kurzes Stück von der Kirche entfernt stehen Holzkreuze zwischen den Kiefern des lutherischen Friedhofs. Ein Granitfindling mit schwedischer Inschrift erinnert an die Familien — Berg, Luther, Rosen, Schmidt und andere —, die von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis 1944 auf Nargö lebten.

Das Bernhard-Schmidt-Denkmal

Bernhard Schmidt (1879–1935) wurde auf Naissaar geboren. Als Junge verlor er bei einem Experiment mit Schießpulver den rechten Arm; als autodidaktischer Optiker in Deutschland erfand er 1930 das Weitwinkelteleskop, das seinen Namen trägt und die Astrofotografie veränderte. Eine Bronzetafel auf einem Findling erinnert an seine Herkunft von der Insel.

Häuschen und Steinmauern

Schlendere über die Sandwege vorbei an restaurierten Bauernhäusern, Netzschuppen und Trockenmauern. Es sind Privathäuser, schau also vom Weg aus. Der Kontrast zu den sowjetischen Blocks von Männiku, einen Kilometer entfernt, ist die ganze Geschichte der Insel in einem Zehn-Minuten-Spaziergang.

Die Kriegsgräber

Naissaar hat außer dem Dorffriedhof mehrere kleine Friedhöfe. Britische und französische Seeleute, die starben, während ihre Flotten die Insel im Krimkrieg 1854 und 1855 hielten, liegen in eigenen Begräbnisstätten, und es gibt Gräber aus dem Gefangenenlager von 1918–1919.

Die hölzerne Marienkirche von Naissaar mit ihrem gelben TurmDer schlichte Holzinnenraum der Marienkirche auf NaissaarHistorische Aufnahme des Dorfs Lõunaküla auf Naissaar von 1935 mit trocknenden Fischernetzen

Anreise: Lõunaküla (Storbyn)

  • Vom Hafen: Lõunaküla liegt im Süden der Insel, auf dem Waldweg etwa 4–5 km vom Hafen — rund eine Stunde zu Fuß oder 20 Minuten mit dem Rad.
  • Mit Zug oder Lkw: Der Saisonzug fährt bis Männiku, von dort ist das Dorf etwa einen Kilometer Fußweg nach Westen entfernt. Lkw-Touren halten meist an der Kirche.
  • Auf dem südlichen Weg: Der markierte südliche Wanderweg verbindet Dorf, Kirche und Friedhof in einer Runde.

Insidertipps

  • Die Kirche ist außerhalb von Gottesdiensten und Veranstaltungen normalerweise abgeschlossen; im Sommer wird sie manchmal für Besucher und Führungen geöffnet.
  • Fast jedes Haus ist das Sommerhaus von jemandem. Bleib auf den Wegen und frag, bevor du Menschen oder Gärten fotografierst.
  • Der Dorfname taucht in drei Formen auf: Lõunaküla (estnisch), Storbyn (schwedisch) und schlicht „das Süddorf“ — gemeint ist derselbe Ort.
  • Die Strände der Südküste sind nur wenige Gehminuten entfernt und eignen sich gut für ein Picknick.

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Gut zu wissen

Lõunaküla (Storbyn): Häufige Fragen

Häufige Fragen

Wer waren die Estlandschweden?

Schwedischsprachige Gemeinschaften, die seit dem Mittelalter auf Estlands Inseln und an der Nordwestküste lebten. Auf Naissaar waren sie Fischer, Robbenjäger und Lotsen. Die meisten gingen 1943–1944 nach Schweden, und ihre Nachkommen haben großen Anteil an der Restaurierung von Kirche und Dorf.

Was bedeutet Naissaar?

Auf Estnisch „Insel der Frauen“. Manche Historiker bringen den Namen mit der Terra Feminarum in Verbindung, die der Chronist Adam von Bremen um 1075 erwähnt, doch gesichert ist das nicht. Der schwedische Name lautet Nargö, der deutsche Nargen.

Lebt heute jemand auf Naissaar?

Ja, aber sehr wenige: Die Volkszählung 2021 zählte zehn ständige Einwohner in den drei Dörfern der Insel. Viel mehr Menschen verbringen den Sommer hier.

Wer war Bernhard Schmidt?

Ein 1879 auf Naissaar geborener Optiker, der die Schmidt-Kamera erfand — eine Teleskopkonstruktion, die weite Himmelsbereiche verzerrungsfrei fotografiert. Er arbeitete an der Hamburger Sternwarte in Bergedorf und starb 1935.